Ein bisher unbekanntes Mineral aus der Gruppe der Turmaline wurde nach dem österreichischen Turmalin-Experten Andreas Ertl benannt. Ertl ist derzeit am Naturhistorischen Museum Wien tätig und Senior Research Fellow am Institut für Mineralogie und Kristallographie der Universität Wien. Das neu entdeckte Mineral „Ertlit“ hat große Kristalle und eine überraschende chemische Zusammensetzung.
Derzeit sind 6161 Minerale, also natürlich vorkommende Kristalle, wissenschaftlich anerkannt. Die Gruppe der Turmaline unterscheidet sich intern dabei stark, schließlich fasst sie zahlreiche Mineralarten mit ähnlicher Kristallstruktur, deren chemische Zusammensetzung sich jedoch unterscheidet, zusammen.
"Ertlit" weist hohen Bor-Gehalt auf
Das neu entdeckte Mineral dieser Gruppe, der "Ertlit", wurde durch ein internationales Forschungsteam untersucht, wobei ein ungewöhnlich hoher Gehalt des Elements Bor, das zudem spezielle Positionen in der Kristallstruktur einnimmt, entdeckt wurde. Eine solche mögliche Zusammensetzung war schon seit längerem von dem Turmalin-Experten Ertl vermutet worden: „Als ich in den 1990ern mit der Erforschung der Möglichkeit von Bor in dieser speziellen Position der Kristallstruktur von Turmalinen begann, war es nicht allgemein akzeptiert, dass dies überhaupt möglich sei", sagt Ertl. Nun habe „die Natur einen grandiosen Beweis geliefert und alle Theorien bestätigt“, freut sich der Wissenschaftler. Die Benennung des neuen Minerals als „Ertlit“ wurde bereits von der International Mineralogical Association (IMA), der Weltdachorganisation der mineralogischen Wissenschaften, offiziell bestätigt wurde.
Mittlerweile konnten bereits zwei Turmaline nach Untersuchungen ebenfalls als Ertlit bestätigt werden - einer davon aus Myanmar (analysiert durch Uwe Kolitsch, den Direktor der Mineralogisch-Petrographischen Abteilung am NHM Wien), ein weiterer sogar von der Koralpe an der Grenze der Steiermark zu Kärnten.
Neue Minerale dieser Größe selten
Der neue Turmalin sei aus mehreren Gründen spektakulär: Zum einen werden heute nur noch selten neue Minerale in dieser Größe entdeckt, bei den meisten neuen Arten handelt es sich dagegen um mikroskopisch kleine Körnchen. Zudem besteche "Ertlit" mit einer Fülle an Farben und Formen, und hat darüber hinaus Potenzial für wissenschaftliche und technische Anwendungen. Seine besondere chemische Zusammensetzung könnte neue Einblicke in die Entstehung von Gebirgen und letztlich in die Erdgeschichte eröffnen. Aufgrund spezieller Eigenschaften wären derartige künstlich hergestellte Turmaline ein interessantes Material für die Technik, etwa als Druck- und Temperatursensoren.
Andreas Ertl identifizierte auch vor wenigen Jahren den im Waldviertel entdeckten „Alumino-Oxy-Rossmanit“ als neuen Turmalin. Momentan forscht er im Rahmen des FWF (Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung)-Projekts „Neuartige Verwendung von Borosilikaten in der Geothermobarometrie“ (P 35585) an diesen besonderen Mineralen, dessen Ergebnisse einen wertvollen Beitrag zum Verständnis der Entstehung von Gesteinen leisten.
In den Medien
- Große Kristalle - Neues Mineral nach Österreicher benannt (APA Science, 30.07.2025)
- Neues Mineral nach Österreicher benannt (Der Standard, 30.07.2025)
- „Ertlit“: Neues Mineral nach Österreicher benannt (Science.orf.at, 30.07.2025)
- Neues Mineral nach Österreicher "Ertlit" benannt (NÖN, 30.07.2025)
- Neues Mineral nach Österreicher "Ertlit" benannt (Puls24, 30.07.2025)
- Wiener Geologe: Mineral „nach mir benannt“ (ORF, Guten Morgen Österreich, 05.08.2025)
