Wie Macht im Mittelalter die Berge prägte

24.10.2018

Machtstrukturen beeinflussen nicht nur den Lauf der Geschichte, sondern auch periphere Räume. Sichtbar macht dies das Projekt “Digitising Patterns of Power (DPP)” des Instituts für Geographie und Regionalforschung und des Instituts für Mittelalterforschung der ÖAW. Am Beispiel von fünf Modellregionen – dem byzantinischen Mazedonien, dem Ostalpenraum, Bayern, der March-Thaya Region und dem historischen Armenien – wurden Landkarten, Bilder und Informationen aus Textquellen des Mittelalters mit den heute gültigen geografischen Koordinaten in Beziehung gesetzt. Von 18. bis 19. Oktober 2018 fand nun die gemeinsame Abschlusskonferenz „Power in Landscape – Geographic and Digital Approaches on Historical Research” statt.

Auch außerhalb der städtischen Zentren haben weltliche und geistliche Mächte im Lauf des Mittelalters ihren Einfluss geltend gemacht. Wie sie sich gebirgige Räume angeeignet haben, wurde im Projekt „Digitising Patterns of Power (DPP)“ unter der Leitung von Mihailo Popovic (ÖAW) mithilfe einer Kombination aus archäologischen, schriftlichen und geoinformatischen Methoden untersucht.

Am Beispiel von fünf Modellregionen – dem byzantinischen Mazedonien, dem Ostalpenraum, Bayern, der March-Thaya Region und dem historischen Armenien – wurden Landkarten, Bilder und Informationen aus Textquellen mit den heute gültigen geografischen Koordinaten in Beziehung gesetzt. Ausgehend von der Spätantike wurde die Entwicklung des Ostalpenraumes und Baierns im Frühmittelalter beleuchtet. Vor allem geistliche Mächte prägen das Machtgefüge in diesem Raum.

Abschlusskonferenz "Power in Landscape"

Zum Abschluss des Projekts wurde in der Konferenz „Power in Landscape – Geographic and Digital Approaches on Historical Research” von den teilnehmenden sowie assoziierten ForscherInnen Bilanz gezogen. William Cartwright, Professor für Kartographie am RMIT Melbourne, ging in seiner Keynote „Theatre of the World“ auf die Entwicklung der Kartographie von der frühen Neuzeit bis zur Gegenwart ein.

Diskutiert wurden auf der Konferenz einerseits die verwendeten Methoden, andererseits aber auch die Ergebnisse, wie sich Raum in mittelalterlichen schriftlichen Quellen darstellt. „Dadurch wurde ein neues Licht auf die Bedingungen geworfen, unter denen politische, religiöse oder ökonomische Mächte bestimmte Landschaften für sich erschlossen haben“, erklärte Karel Kriz, der das Projekt am Institut für Geographie und Regionalforschung der Universität Wien leitet.

Interaktive Webapplikation

Sein Projektteam war insbesondere auch für die Kommunikation der geographischen Dimension verantwortlich. „Unter anderem wurde von unserem Team eine interaktive kartenbasierte Webapplikation entwickelt, über die wir archäologischen und historischen Daten auch visualisieren können“, erklärt der Professor für Kartographie und Geoinformation. „Auf diese Weise kann man sich einfach per Internet ein Bild der historischen Landschaften machen“, so Projektmitarbeiter Markus Breier vom Institut für Geographie und Raumforschung. Besonderheiten dabei sind die Darstellung der Unsicherheiten historischer Daten und die Einbettung von „Geographic Storytelling“.

Das Projekt Digitising Patterns of Power wird mit Ende 2018 abgeschlossen ; „die Ergebnisse werden jedoch mit Sicherheit die Grundlage für weitere Projekte bilden“, sagt Karel Kriz. Zur Konferenz „Power in Landscape“ wird im Frühjahr 2019 ein Tagungsband erscheinen, in dem auch die zentralen Ergebnisse des Projektes nachzulesen sein werden. Ebenso im Frühjahr 2019 soll die Online-Applikation öffentlich verfügbar gemacht werden.

Projekt "Digitising Patterns of Power (DPP)"

  • Projektleitung: Mihailo Popovic (ÖAW)
    ProjektmitarbeiterInnen ÖAW: Katharina Winckler, Stefan Eichert, Johannes Preiser-Kapeller
  • Projektleiter Universität Wien: Karel Kriz
    Projektmitarbeiter Universität Wien: Markus Breier, Alexander Pucher, Daniel Nell
Clusterprojekt “Digitising Patterns of Power"
Das Projekt “Digitising Patterns of Power (DPP)” setzte am Beispiel von fünf Regionen Landkarten, Bilder und Informationen aus Textquellen des Mittelalters mit den heute gültigen geografischen Koordinaten in Beziehung. © Markus Beier/Universität Wien
niv.-Prof. Walter Pohl, der Direktor des Instituts für Mittelalterforschung an der ÖAW (links) und Projektleiter Priv.-Doz. Dr. Mihailo Popović von der ÖAW
Von 18. bis 19. Oktober 2018 fand die Abschlusskonferenz des Clusterprojekts unter der Leitung von Mihailo Popović von der ÖAW (im Bild rechts mit Walter Pohl, dem Direktor des Instituts für Mittelalterforschung an der ÖAW) statt. © Markus Beier/Universität Wien
William Cartwright, Professor für Kartographie am RMIT Melbourne
William Cartwright, Professor für Kartographie am RMIT Melbourne, hielt die Keynote zum Thema „Theatre of the World“. © Markus Beier/Universität Wien
Karel Kriz, Professor am Institut für Geographie und Regionalforschung
Karel Kriz, Professor für Kartographie und Geoinformation am Institut für Geographie und Regionalforschung der Universität Wien, präsentierte die kartographischen Aspekte des Projektes. © Markus Beier/Universität Wien
Clusterprojekt “Digitising Patterns of Power"
Die am Institut für Geographie und Regionalforschung der Universität Wien entwickelte Applikation dient zur Kommunikation der Forschungsergebnisse. © Markus Beier/Universität Wien
Verschiedene Quellen wurden ausgewertet und die Ergebnisse in kartographischer Form visualisiert. © Markus Beier/Universität Wien