In memoriam Ekkehart Tillmanns (1941-2020)

07.01.2021

Die Universität Wien und die Fakultät für Geowissenschaften, Geographie und Astronomie trauern um den Mineralogen und Kristallographen Ekkehart Tillmanns, der Ende Dezember unerwartet von uns gegangen ist. Unsere Anteilnahme gilt seiner Familie und seinen Freunden.

Mit tiefem Bedauern geben wir bekannt, dass Emeritus o. Univ.-Prof. Dr. Ekkehart Tillmanns in der Nacht vom 29. auf 30. Dezember unerwartet im Kreise seiner Familie verstorben ist. Institutsleiter Christian Lengauer verfasste gemeinsam mit Kolleg*innen des Instituts für Mineralogie und Kristallographie einen Nachruf auf ihren sehr geschätzten Kollegen, Mentor und Freund, den sie schmerzlich vermissen werden.

Faszination für Kristallographie

Emeritus Prof. Dr. Ekkehart Tillmanns, 1941 in Münster geboren, entwickelte seine Faszination für die Kristallographie bereits im Zuge seines Mineralogiestudiums, welches er in Tübingen begann und 1966 in Göttingen mit einer Diplomarbeit unter Betreuung von Josef Zemann beendete. 1968 folgte die Promotion nach Abschluß seiner Doktorarbeit unter Anleitung von Otto W. Flörke an der Ruhr-Universität Bochum.

Nach einem zweijährigen Aufenthalt bei Werner H. Baur im Department of Geological Sciences an der University of Illinois in Chicago folgte die Rückkehr nach Bochum, wo er sich 1973 mit einer Arbeit Zur Kristallchemie der Verbindungen im System Bariumoxid-Titanoxid habilitierte. Seine wissenschaftliche Karriere setzte er an der Universität Mainz (1974-1985) fort, bevor er einen Ruf auf die C3-Professur für Kristallographie an der Universität Würzburg (1985-1991) annahm.

Langjähriger Institutsleiter

Schließlich folgte er 1991 einem Ruf an die Universität Wien auf den Lehrstuhl für Mineralogie und Kristallographie, wo er Nachfolger seines akademischen Lehrers Josef Zemann wurde und als Leiter des Instituts für Mineralogie und Kristallographie der Universität Wien bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2009 tätig war.

Der Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen Forschungstätigkeit war die mineralogische Kristallographie, die Strukturkristallographie und Kristallchemie von Mineralen und deren Analogphasen. Neben der eigentlichen Strukturaufklärung und der Anwendung von röntgenkristallographischen Methoden sowie der Symmetrielehre waren es insbesondere auch die Struktur-Eigenschaftsbeziehungen, die ihn begeisterten.

Auch bei anderen materialwissenschaftlich wichtigen Materialklassen wie z.B. Zeolithe, natürlichen Zementphasen oder Mullit-Precursoren leistete er bedeutsame Beiträge für die anwendungsorientierte Mineralogie. Technisch relevante Aspekte von Kristallen führten im Weiteren zu Arbeiten im Bereich der physikalischen Kristallographie, wo er sich unter anderem mit azentrischen Solvatkristallen oder auch organischen Salzen und deren kristalloptischen Eigenschaften befasste.

Die mineralogische Strukturkristallographie stand jedoch stets im Fokus seines breitgefächerten Engagements, sodass ein 2003 neu entdecktes Vanadatmineral ihm zu Ehren als Tillmannsit benannt wurde. Das beiliegende Foto zeigt Ekkehart Tillmanns vor dem Strukturmodell des nach ihm benannten Minerals.

Zahlreiche Mitgliedschaften und Ehrungen

Ekkehart Tillmanns war Mitherausgeber der Zeitschriften Mineralogy and Petrology und Zeitschrift für Kristallographie, Associate bzw. Chief Editor des European Journals of Mineralogy, und Mitglied im Editorial Board von Physics and Chemisty of Minerals. Neben knapp 200 Publikationen ist sein wissenschaftliches Œvre durch zahlreiche Ehrungen gewürdigt, so erhielt er 2002 den Erwin Schrödinger-Preis der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, war Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, auswärtiges Mitglied der Russischen Akademie der Naturwissenschaften, und seit 2012 Ehrenmitglied der Österreichischen Mineralogischen Gesellschaft.

Präsident der International Mineralogical Association

Einen besonderen Höhepunkt seiner Tätigkeiten für die mineralogisch-kristallographische Community stellt die Präsidentschaft der International Mineralogical Association von 2010 bis 2012 dar. Ferner war er Träger des Distinguished Grantee Awards des ICDD und noch im Juni 2020 wurde ihm die Abraham-Gottlob-Werner-Medaille in Gold als einer der höchsten Auszeichnungen der Deutschen Mineralogischen Gesellschaft verliehen.

In der Nacht von 29. auf den 30. Dezember 2020, vier Wochen vor seinem 80. Geburtstag, verstarb Ekkehart Tillmanns im Kreis seiner Familie in Wien. Mit Ekkehart Tillmanns hat die Kristallographie nicht nur einen engagierten und bedeutenden Forscher, sondern auch einen herzensgütigen Kollegen, Wegbegleiter, Mentor und Freund verloren.

Unsere tiefe Anteilnahme gilt in diesen traurigen Stunden seiner Familie und seinen Freunden.

Die Universität Wien und die Fakultät für Geowissenschaften, Geographie und Astronomie trauern um den Mineralogen und Kristallographen Ekkehart Tillmanns.
Der langjährige Leiter des Instituts für Mineralogie und Kristallographie, verstarb Ende Dezember unerwartet im Kreise seiner Familie. Er wird uns als menschliches und wissenschaftliches Vorbild in Erinnerung bleiben.
Ekkehart Tillmanns vor dem Strukturmodell des Minerals Tillmannsit
Im Fokus seines Schaffens stand die mineralogische Strukturkristallographie. In Anerkennung seiner Verdienste wurde 2003 ein neu entdecktes Vanadatmineral als Tillmannsit benannt - das Foto zeigt Ekkehart Tillmanns vor dem Strukturmodell des nach ihm benannten Minerals. Foto: W. Zirbs