Moore klimagerecht bewirtschaften

18.01.2021

In entwässerten Mooren wird der im Torf gebundene Kohlenstoff freigesetzt, was den Treibhauseffekt verstärkt. Das muss aber nicht so sein: Wie entwässerte Moorflächen klimagerecht bewirtschaftet werden können, untersuchen Forscher*innen der Universität für Bodenkultur und der Arbeitsgruppe Geoökologie an der Universität Wien nun im neuen Projekt PeatGOV.

Seit der letzten Eiszeit hat sich auf Moorflächen unter Sauerstoffabschluss ein ansehnlicher Kohlenstoffvorrat in Form von nicht verrotteten Pflanzenresten gebildet: Der Torf. Die meisten Torfflächen wurden jedoch über die Jahrhunderte hinweg entwässert, um eine landwirtschaftliche Nutzung zu ermöglichen. „Die Konsequenz davon ist, dass der Kohlenstoff im Torf durch Sauerstoffzufuhr abgebaut wird und als das Treibhausgas CO2 in die Atmosphäre entweicht“, erklärt Stephan Glatzel vom Institut für Geographie und Regionalforschung der Universität Wien. Dabei gilt: Je wärmer und trockener das Klima, desto mehr CO2 wird hier auch freigesetzt.

Kohlenstoff im Boden speichern

Wie dies verhindert werden könnte, untersucht Glatzels Arbeitsgruppe im Projekt PeatGov, das durch den Klima- und Energiefonds finanziert wird, gemeinsam mit der Arbeitsgruppe um Karl Hogl und Jürgen Kantelhardt von der Universität für Bodenkultur Wien. Denn: „Genutzte Moorflächen müssen nicht unbedingt zur CO2-Quelle werden, sie können auch genutzt werden, um Kohlenstoff im Boden zu speichern“, erklärt Projektmitarbeiterin Christine Kroisleitner von der Arbeitsgruppe Geoökologie.

Solche Maßnahmen können zum Beispiel eine extensive Landnutzung mit dem bevorzugten Anbau mehrjähriger Pflanzen sein. Eine weitere Maßnahme ist der Verzicht auf neue Drainagen und eine Anhebung des Grundwasserspiegels auf entwässerten Flächen, um den Torf vor weiterem Abbau zu schützen. Die Frage, wie man mit etwaigen Ertragsverlusten in einer „klimasmarten“ Landwirtschaft umgeht, und ob diese durch die CO2-Einsparungen ausgeglichen werden können, sind für Österreich noch nicht beantwortbar.  

Torfflächen quantifizieren

Zunächst geht es jedoch im Rahmen des Projekts PeatGOV darum, die wissenschaftlichen Grundlagen für eine derartige Nutzung zu schaffen: „In einem ersten Schritt müssen wir nun quantifizieren, wie groß die Torfflächen auf Acker- und Weideland aktuell überhaupt sind – es gibt nämlich noch keine gesamte Karte über Österreichs Torfflächen“, erklärt Glatzel.

Was vorliegt, ist eine Menge an sekundärer Information, „diese liegt aber meist nicht flächendeckend vor, verwendet unterschiedliche Definitionen und Maßstäbe“, so der Geoökologe. Dieses vorhandene Karten- und Datenmaterial zu sichten, zu bewerten und in einer gemeinsamen Karte zu kompilieren, wird eine der Schlüsselaufgaben seiner Arbeitsgruppe im Projekt. „Ein wichtiger Fokus wird hierbei auf der Abschätzung des Kartenfehlers und der Evaluation des Ergebnisses liegen – an unterschiedlichen Standorten vor Ort, aber auch im Labor“, sagt Projektmitarbeiterin Kroisleitner.

Hat man erst Aufschluss über die Torfverbreitung, können die von der IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change - Zwischenstaatlicher Ausschuss für Klimawissenschaften) zur Verfügung gestellten Faktoren zum Abschätzen der Treibhausgasemissionen an die regionalen Verhältnisse in Österreich angepasst werden.

Klimaszenarien testen

Mit unterschiedlichen Klima-Szenarien kann in weiterer Folge getestet werden, wie sich der Treibhausgasausstoß in einem wärmeren Klima und bei unterschiedlicher Bewirtschaftung verändern würde. „Aufbauend auf diesem Wissen können wir dann Empfehlungen erarbeiten, wie an den jeweiligen Standorten die Torffläche genutzt werden kann, damit Moore weiterhin zum Klimaschutz beitragen“, sagt Glatzel.

Zum Projekt

  • PeatGov Austria
  • Fördergeber: ACRP, Klimaenergiefonds, Laufzeit 2 Jahre, Projektstart Ende 2020
  • Projektleitung/PIs: Karl Hogl und Jürgen Kantelhardt (Universität für Bodenkultur Wien)
  • PI an der Universität Wien: Stephan Glatzel, Institut für Geographie und Regionalforschung, Arbeitsgruppe Geoökologie; Projektmitarbeiterin: Christine Kroisleitner
  • Projekthomepage Geoökologie
  • Projekthomepage an der Universität für Bodenkultur Wien
Im Projekt PeatGOV Austria untersucht die Arbeitsgruppe Geoökologie der Universität Wien gemeinsam mit dem Team um Karl Hogl von der Universität für Bodenkultur Wien, wie entwässerte Moorflächen klimagerecht bewirtschaftet werden können. Foto: Stephan Glatzel, Universität Wien
„In einem ersten Schritt müssen wir nun quantifizieren, wie groß die Torfflächen auf Acker- und Weideland aktuell überhaupt sind – es gibt nämlich noch keine gesamte Karte über Österreichs Torfflächen“, erklärt Stephan Glatzel, Projektleiter an der Universität Wien. Foto: Stephan Glatzel, Universität Wien