Moore: Wiederbefeuchtung gegen den Klimawandel

24.03.2021

Wenn trockengelegte Moore landwirtschaftlich genutzt werden, geben sie überproportional viele Treibhausgase an die Atmosphäre ab. Welche Auswirkungen es hätte, solche Flächen wieder zu befeuchten, wird im Projekt PRINCESS am Institut für Geographie und Regionalforschung untersucht.

Moore sind wichtige Kohlenstoffsenken – doch werden sie trockengelegt und als Anbaugebiete genutzt, können sie sich zu einer beachtlichen Treibhausgasquelle wandeln: So sind in der EU die landwirtschaftlich genutzte Feuchtgebiete für 25 Prozent aller landwirtschaftlichen Treibhausgas-Emissionen verantwortlich, obwohl sie nur rund 2,5 Prozent aller landwirtschaftlichen Flächen ausmachen.

Im FWF-Projekt PRINCESS (Peatland Rewetting In Nitrogen-Contaminated Enrivonments) sucht man nach Wegen, diesen Ausstoß von Treibhausgasen zu verringern. „Dabei sehen wir uns insbesondere den Effekt der Wiederbefeuchtung an – also wie sich die Emissionen verändern, wenn wir den Grundwasserspiegel in zuvor entwässerten Feuchtgebieten wiederherstellen beziehungsweise bis nahe zur oder über die Bodenoberfläche erhöhen“, erklärt Stephan Glatzel, Leiter des PRINCESS-Projektes sowie der Geoökologie-Gruppe an Institut für Geographie und Regionalforschung der Universität Wien.

Methan als Gefahr

Die dahinterliegenden Prozesse sind jedenfalls komplex: Zwar sinken mit steigendem Grundwasserspiegel für gewöhnlich die Kohlendioxid-  und Stickstoffoxid-Emissionen (CO2 und N2O), aber gleichzeitig können insbesondere bei hohem Stickstoffgehalt im Boden die Methan-Emissionen zunehmen – und Methan ist ein noch stärkeres Treibhausgas. „Im Rahmen des Projektes suchen wir daher auch nach Möglichkeiten, den Stickstoffgehalt zu verringern“, erklärt Kyle Boodoo, Projektmitarbeiter bei PRINCESS.

Gleichzeitig geht es darum, die die Produktivität von land- oder forstwirtschaftlich genutzten Feuchtgebieten, den so genannten Paludikulturen, so weit als möglich zu erhalten, schließlich beeinflusst dies auch direkt die Einkommensmöglichkeiten derjenigen, die diese Flächen besitzen, nutzen und von ihrem Ertrag leben.

Lebensgrundlage erhalten

„Wir suchen daher nach dem besten Weg, um sowohl die Treibhausgase und den Stickstoffgehalt zu reduzieren als auch die Lebensgrundlage der in der Paludikultur tätigen Menschen zu erhalten“, sagt Boodoo. Das FWF-Projekt umfasst daher auch ein vielfältiges Team an Wissenschafter*innen aus der EU – neben der Universität Wien sind die Universitäten Greifswald, Antwerpen und Warschau sowie das norwegische Institut für Bioökonomie (NIBIO) und das finnische Luonnonvarakeskus (LUKE) beteiligt.

Das Geoökologie-Team der Universität Wien ist zunächst nun für die genaue Bestimmung und Modellierung der Treibhausgas-Emissionen zuständig: In Deutschland, den Niederlanden und Polen werden dafür in natürlichen Feuchtgebieten sowie in Paludikulturen große Flussmittelkammern (flux chambers) über den Seggen/Röhrichten im Moor platziert, um so direkt die Emissionen in die Atmosphäre zu messen.

Fingerabdruck der Treibhausgase

Durch Isotopen-Messmethoden, wie sie auch in der Archäologie oder den Geowissenschaften zum Einsatz kommen, will das Team der Universität Wien zudem die jeweilige Quelle der CO2 oder Methan-Emissionen ausmachen: „Die Kohlenstoffisotope dienen quasi als Fingerabdruck der Prozesse, denn anhand der Isotopenverteilung können wir die Quelle des Kohlenstoffes bestimmen“, erklärt Glatzel. Dadurch ist es möglich, auszumachen, welche Prozesse bei unterschiedlichem Grundwasserstand, Stickstoffgehalt und klimatischen Bedingungen (wie Temperatur oder Luftfeuchtigkeit), die wichtigste Rolle in Bezug auf die Produktion und Emission von Treibhausgasen spielen.

„Auf dieser Basis können wir dann fundierte Empfehlungen für das Management von Paludikulturen und Feuchtgebieten erarbeiten, um so die Treibhausgas-Emissionen aus Mooren EU-weit deutlich zu verringern und die langfristige Vision der EU für eine klimaneutrale Wirtschaft bis 2050 zu unterstützen“, sagt Projektleiter Glatzel.

Über das Projekt

  • Projekttitel: PRINCESS (Peatland Rewetting In Nitrogen-Contaminated Enrivonments)
  • Dauer: 01.01.2021 bis 31.12.2023
  • Projektpartner: Universität Wien, (Stephan Glatzel und Kyle Boodoo); Universität Greifswald, Deutschland; Universität Antwerp (Belgien); Universität Warsaw (Polen); Norwegian Institute of Bioeconomy Research (NIBIO), Norwegen; Luonnonvarakeskus (LUKE), Finnland
  • Fördergeber: FWF (BiodivClim ERA-NET COFUND Action on Biodiversity and Climate Change)
Moor Foto: CC, Marisa04 auf Pixabay
Im FWF-Projekt PRINCESS (Peatland Rewetting In Nitrogen-Contaminated Enrivonments) sucht man nach Wegen, den Ausstoß von Treibhausgasen von trockengelegten Mooren zu verringern. Foto: CC, Marisa04 auf Pixabay
Stephan Glatzel. Foto: Stephan Glatzel
„Dabei sehen wir uns insbesondere den Effekt der Wiederbefeuchtung an – also wie sich die Emissionen verändern, wenn wir den Grundwasserspiegel in zuvor entwässerten Feuchtgebieten wiederherstellen beziehungsweise zu erhöhen“, erklärt Projektleiter Stephan Glatzel. Photo: Stephan Glatzel
Kyle Boodoo. Foto: Kyle Boodoo
Dabei werden unter anderem die Zusammenhänge mit dem Stickstoffgehalt im Boden untersucht, erklärt Projektmitarbeiter Kyle Boodoo. Foto: Kyle Boodoo
Moor in Belgien. Foto: Herbert Aust auf Pixabay
Im Rahmen des Projektes werden auch Empfehlungen für das Management von Paludikulturen und Feuchtgebieten erarbeitet, um so die langfristige Vision der EU für eine klimaneutrale Wirtschaft bis 2050 zu unterstützen.