Migration(en) im Schulbuch: Dominante Erzählungen, selektive Repräsentation & blinde Flecken
- Autor(en)
- Christiane Hintermann
- Abstrakt
Die Analyse von Schulbüchern hat gezeigt, dass die Auswahl migrationsrelevanter Inhalte in österreichischen Schulbüchern höchst selektiv ist und die Darstellung des Themenkreises sowohl aus migrationspädagogischer als auch aus fachdidaktischer Sicht kritisch reflektiert werden muss.[1] Dieses Ergebnis wird auch durch Studien in anderen Ländern bestätigt, zuletzt etwa durch die Schulbuchstudie Migration und Integration in Deutschland.[2]
Die Konstruktion von Immigration als Problem und von Immigrant_innen als Problemgruppe ist eine Konstante in Schulbüchern, die bis in die 1970er Jahre zurückreicht. Dasselbe gilt für die Einbettung des Themas Migration in einen demographischen und ökonomischen Kosten-Nutzen-Diskurs. Generell überwiegt nach wie vor eine wenig differenzierte sowie problembehaftete und krisenhafte Darstellung von Migration und Diversität. Migrant_innen werden sowohl auf der Bild- als auch auf der Textebene nach wie vor auf wenige Herkunftsländer festgeschrieben, wobei stereotypisierende Darstellungsformen dominieren. Überschneidungen mit dem Diskurs in Massenmedien und in der Politik sind auffallend. Themen wie Elitemigrationen, die selbstständige Wanderung von Frauen oder die räumliche Mobilität innerhalb der EU fehlen in den meisten Schulbüchern völlig. Auffallend sind auch die oft unpolitische Darstellung, fehlende Hinweise auf gesetzliche Regelungen und strukturelle Diskriminierungen sowie die Marginalisierung der österreichischen und europäischen Asylpolitik.
Im Zentrum des Beitrages stehen ausgewählte Forschungsergebnisse von zwei Projekten zur Repräsentation von Migration und Diversität und der diskursiven Konstruktion von Migrant_innen in österreichischen GW-Schulbüchern. Das Sample, das insgesamt fast 100 Schulbücher umfasst (vor allem GW- Schulbücher sowie Bücher für das Unterrichtsfach Geschichte und Sozialkunde/Politische Bildung für die AHS) reicht zurück bis in die 1970er Jahre, das Hauptaugenmerk der Analyse liegt jedoch auf Schulbüchern der jüngeren Generation. Neben den dominanten Diskursen werden insbesondere Auslassungen und blinde Flecken diskutiert.- Organisation(en)
- Institut für Geographie und Regionalforschung, Institut für Lehrer*innenbildung
- Seiten
- 109-122
- Anzahl der Seiten
- 14
- Publikationsdatum
- 2018
- ÖFOS 2012
- 503014 Fachdidaktik Sozialwissenschaften, 504021 Migrationsforschung
- Link zum Portal
- https://ucrisportal.univie.ac.at/de/publications/dc33668f-8c77-4898-a405-17db69c2eb6f