Auf den Spuren des Geographen und Forschungsreisenden Prof. Dr. phil. h.c. Gottfried Merzbacher (9.12.1843 – 14.4.1926)

Autor(en)
Hermann Häusler
Abstrakt

Im Jahr 1843 als Sohn des jüdischen Pelzhändlers Max und seiner Frau Jette Merzbacher in Baiersdorf (Mittelfranken) geboren, übernahm Gottfried Merzbacher das väterliche Geschäft und legte 1868 bis 1888 in München den finanziellen Grundstein für seine geplanten Forschungsreisen. Als begeisterter Bergsteiger und Kletterer unternahm Gottfried Merzbacher zahlreiche alpinistische Expeditionen, die ihn von Europa in den Kaukasus, Himalaya und Tian-Schan führten. Als Autodidakt erwarb sich Gottfried Merzbacher durch gewissenhafte Planung und Durchführung der alpinistischen Expeditionen früh ein fundiertes Wissen über die Geographie des zentralen Kaukasus und Tian-Schan und durch die Publikation der Ergebnisse der Forschungsexpeditionen einen internationalen Ruf. Er war als bekannter Asienforscher in Korrespondenz mit führenden internationalen Wissenschaftlern.

Die wissenschaftlich bedeutendsten Expeditionen unternahm er 1902/03 sowie 1907/08 in Begleitung von bayerischen Geologen in den zentralen Tian-Schan. Die Ergebnisse seiner Expeditionen legte Gottfried Merzbacher in über 100 Publikationen nieder, sein international bedeutendstes Werk „The Central Tian-Shan mountains 1902-1903“ erschien 1905 im renommierten britischen Murray Verlag. 1901 verlieh ihm die Münchner Universität das Ehrendoktorat und 1907 der Bayerische König den Titel eines Königlichen Professors. 1908 erfolgte seine Ernennung zum korrespondierenden Mitglied der Kaiserlich Russischen Geographischen Gesellschaft in St. Petersburg, 1909 die Ernennung zum korrespondierenden Mitglied der Königlichen Londoner Geographischen Gesellschaft und 1911 verlieh ihm die Kaiserlich Russische Geographische Gesellschaft die Semjonov-Tjan-Schansky-Medaille in Gold.

Die Bedeutung Gottfried Merzbacher´s liegt eindeutig in seinen erfolgreichen Asienexpeditionen zu Beginn des 20. Jahrhunderts, was auch zu fachlichen Kontroversen mit deutschen Fachkollegen führte. Seine noch erhaltenen Originalaufnahmen der Gletscherstände um 1900 sind für Vergleichsstudien der heutigen Gletscherstände von unschätzbarem Wert. Indem er auf mehreren Expeditionen Fachkollegen in sein Team aufgenommen hat, wurden auch fundierte geologische, petrologische, paläontologische, botanische und zoologische Expeditionsergebnisse veröffentlicht.

Seit den frühen Expeditionen Merzbachers in den zentralen Tian-Schan im Jahr 1902 wurde in den folgenden Jahrzehnten bis heute in zahlreichen internationalen Expeditionen die Glaziologie des Inyltschek-Gebietes und das Phänomen der Gletscherseeausbrüche in diesem Gebiet untersucht. Zu Ehren Gottfried Merzbachers wurde 2005 vom GeoForschungsZentrum Potsdam (GFZ) in Zusammenarbeit mit dem Central Asian Institute of Applied Geosciences (CAIAG; Bishkek, Kirgistan) südlich des Merzbacher Sees eine zweisprachige Plakette angebracht und in den Folgejahren das „Global Change Observatorium“ ausgebaut, das nach ihm benannt wurde. Seither bildet das „Hochgebirgsobservatorium Gottfried Merzbacher“ eine wichtige Ausgangsbasis für internationale Forscherteams zur Untersuchung der Umweltveränderungen und Auswirkungen des Klimawandels in Zentralasien.

Organisation(en)
Journal
Berichte der Geologischen Bundesanstalt
Band
107
Seiten
29-49
ISSN
1017-8880
Publikationsdatum
2014
ÖFOS 2012
105110 Geschichte der Geologie, 105901 Glaziologie
Link zum Portal
https://ucrisportal.univie.ac.at/de/publications/f2c3c75c-4a64-4c06-921f-6f5221dd6c75