Auszeichnung für Big Data Analyse von Flüchtlingsbewegungen

Im Rahmen einer Istanbuler Konferenz wurde ein Projekt von Harald Sterly und Patrick Sakdapolrak ausgezeichnet. Ziel war es, anhand von anonymisierten Handydaten die Mobilität von geflüchteten SyrerInnen in der Türkei zu beleuchten, um so zu einer Verbesserung ihrer Lebenssituation beizutragen.

Harald Sterly © privat

Harald Sterly (im Bild) und Patrick Sakdapolrak vom Institut für Geographie und Regionalforschung (IfGR) der Universität Wien wurden in Istanbul für das Projekt „AROMA_CoDa: Assessing Refugees’ Onward Mobility through the Analysis of Communication Data“ in der Kategorie „Integration von Geflüchteten“ prämiert. © privat

Harald Sterly und Patrick Sakdapolrak, Institut für Geographie und Regionalforschung (IfGR) der Universität Wien, haben gemeinsam mit einer Gruppe von Wissenschaftlern eine Auszeichnung für ihr Projekt „AROMA_CoDa: Assessing Refugees’ Onward Mobility through the Analysis of Communication Data“ erhalten. Das Projekt wurde auf der Konferenz D4R Big Data Challenge am 21. Januar 2019 in der Boğaziçi-Universität in Istanbul in der Kategorie „Integration von Geflüchteten“ prämiert.

Das Projekt und die Konferenz fanden im Rahmen eines Big-Data-Wettbewerbs statt, der von dem türkischen Mobilfunkanbieter Türk Telekom, der Istanbuler Boğaziçi-Universität und der türkischen Wissenschaftsagentur TÜBITAK organisiert wurde.

Informationen aus Mobilfunkdaten

An dem Wettbewerb hatten sich mehr als 60 Projekte aus aller Welt beteiligt. Ziel war es, Informationen aus Mobilfunkdaten zu gewinnen, die zur Verbesserung der Lebenssituation von syrischen Geflüchteten in der Türkei beitragen können. Der Datensatz beinhaltete anonymisierte Daten (Gesprächszeit, Ort, Dauer) von über 50.000 geflüchteten und nicht geflüchteten Mobilfunk-Teilnehmern in der Türkei über den Verlauf eines gesamten Jahres.

Das Wiener Projekt, dass auch Kooperationspartner aus der Türkei, Deutschland und Island umfasste, hat sich mit der sogenannten Sekundärmobilität von Geflüchteten beschäftigt, also mit der Frage, von wo nach wo, zu welchem Zeitpunkt, und aus welchem Gründen sich Geflüchtete von ihrem ersten Registrierungsort zeitweilig oder auf Dauer weiterbewegen. Das Projekt zielte einerseits darauf ab, überhaupt Wissen über die Mobilität von syrischen Geflüchteten in der Türkei zu gewinnen und letztendlich mit diesem Wissen die Hilfsangebote zu optimieren, die oftmals mit unbeweglicher Infrastruktur verbunden sind, während die Hilfsbedürftigen einen gewissen Grad an Mobilität aufweisen.

Großteil migriert nur kurzzeitig

Im Projekt konnte festgestellt werden, dass der Großteil der Geflüchteten - rund 85 Prozent - zwar zeitweise mobil ist, also beispielsweise Verwandte besucht oder für saisonale Arbeit in der Landwirtschaft für eine Weile migriert, jedoch dann an den ursprünglichen Aufenthaltsort in der Türkei zurückgekehrt. Lediglich circa 15 Prozent verlagern ihren Aufenthaltsort dauerhaft innerhalb des Landes. Für die — zeitweilig oder dauerhaft — mobilen Geflüchteten sollten soziale und Gesundheitsdienstleistungen entsprechend angepasst werden, so eine Empfehlung des Projekts.

Wie erwartet, zeichnen sich in den Daten deutlich die großen Migrationstrends in der Türkei ab: von Süd nach Nord, von Ost nach West und von den Dörfern in die Städte. Überraschend war für die Forscher, dass neben wirtschaftlichen und anderen Gründen auch kulturelle Aspekte eine wichtige Bedeutung für Migration und Mobilität haben: so sind die beiden hohen muslimischen Feste Ramadan und Opferfest anscheinend besonders bedeutsam für die Wanderungsbewegungen.