Migrationen in Zeiten von Klima- und Umwelt-Stress

10.07.2023

Die Gründungskonferenz des „Environmental & Climate Mobilities Network“ startet am 10. Juli 2023 in Wien. Wie und in welchem Ausmaß Klima- oder Umweltveränderungen Migration beeinflussen, wird in der Gesellschaft teilweise heiß diskutiert – leider nur selten anhand von wissenschaftlichen Ergebnissen. Doch auch innerhalb der Wissenschaft selbst fehlte bisher eine Plattform, um aktuelle Forschungen übergreifend zu diskutieren. Ein neues internationales Netzwerk für Umwelt- und Klima-Migration, das von der Forschungsgruppe um Patrick Sakdapolak mit-initiiert wurde, will künftig den Austausch innerhalb der Wissenschaft ebenso wie den Dialog mit Politik und Gesellschaft stärken.

Bis zum Jahr 2050 könnten in etlichen Regionen der Welt umwelt- und klimawandelbedingte Migrationsbewegungen stark zunehmen. „Wir beobachten daher generell – in der Öffentlichkeit ebenso wie in der Wissenschaft – ein zunehmendes Interesse an dem Thema“, erklärt Patrick Sakdapolrak vom Institut für Geographie und Regionalforschung der Universität Wien. Bisher habe jedoch eine internationale Plattform des Austausches unter den verschiedenen Forschungsrichtungen gefehlt, so der Bevölkerungsgeograph.

Mit dem Netzwerk „Environmental & Climate Mobilities Network“ (ECMN), das heuer gemeinsam mit Kolleg*innen der Universitäten Wageningen, der Liège Université sowie der United Nations University initiiert wurde, sei nun eine Plattform des inter- und transdiziplinären Austausches zu Klima- und Umweltmigration geschaffen worden. „Uns geht es in dem Netzwerk einerseits um eine solide Zusammenarbeit zwischen Forscher*innen – es gilt aber auch, die wissenschaftlichen Ergebnisse dann an Entscheidungsträger*innen und Praktiker*innen zu kommunizieren“, sagt Sakdapolrak.

Forschungslandschaft überblicken

Denn von außen sei die sehr vielfältige Forschungslandschaft sonst oft schwer zu durchblicken: „Dass Klima- und Umweltwandel zu Vertreibung führen, muss eben nicht immer und überall gelten“, erklärt Sakdapolrak, es gebe eine große Bandbreite: „Migration kann auch als eine Anpassungsleistung gesehen werden; manche Ansätze untersuchen gerade solche  Probleme, die sich daraus ergeben, dass die Möglichkeiten zur Migration versperrt sind.“ Auch die Auswirkungen von Umwelt- oder Klimastress auf bestehende Migrationsmuster sei ein wichtiges Forschungsfeld, beispielsweise bei Weidewirtschaft oder (halb-)nomadischer Lebensweise.

Die Forschungs-Community und das Forschungsfeld zur Umwelt- und Klimamigration habe sich in den letzten 20 Jahren stark erweitert, und auch methodisch gebe es eine große Vielfalt: „Das reicht von der quantitativen Modellierung, den Politikwissenschaften, den kritischen Sozialwissenschaften bis hin zur Entwicklungsforschung“, sagt Harald Sterly, Senior Scientist in der Forschungsgruppe von Sakdapolrak.

Gründungskonferenz startet am 10. Juli in Wien

Eine jährliche Konferenz des neuen Netzwerks soll vor diesem Hintergrund Diskussionen, Vernetzung und kooperative transdisziplinäre Forschung anregen und den Austausch mit Medien, Politik und Gesellschaft stärken. „Auf diese Weise wollen wir den laufenden Debatten neue Impulse verleihen und transformative Lösungen vorantreiben“, sagt Sakdapolrak. Zur Gründungsveranstaltung, die von 10. bis 12. Juli 2023 an der Universität Wien sowie online stattfindet, werden rund 130 Teilnehmer*innen vor Ort in Wien und 180 Teilnehmer*innen online erwartet.

 

Wissenschaftlicher Kontakt

Univ.-Prof. Dr. Patrick Sakdapolrak
Institut für Geographie und Regionalforschung, Universität Wien
1010 Wien, Universitätsstraße 7
T +43 (0)1 4277 48730
patrick.sakdapolrak@univie.ac.at   

 
Rückfragehinweis

Dr.in Heidi Weinhäupl
Kommunikation
Dekanat der Fakultät für Geowissenschaften, Geographie und Astronomie, Universität Wien
T +43 (0)1 4277 48730
heidi.weinhaeupl@univie.ac.at

Straße windet sich durch grüne Landschaft. Foto: Silas Baisch auf Unsplash

Die Einflüsse von Klima- und Umweltwandel auf Migrationsbewegungen sind höchst vielschichtig – ein neues internationales Netzwerk will den wissenschaftlichen Austausch fördern sowie den Dialog mit Politik und Gesellschaft stärken. Foto: Silas Baisch auf Unsplash

Die Gründungskonferenz für das internationale Netzwerk startet am 10. Juli in Wien.

„Uns geht es in dem Netzwerk einerseits um eine solide Zusammenarbeit zwischen Forscher*innen – es gilt aber auch, die wissenschaftlichen Ergebnisse dann an Entscheidungsträger*innen und Praktiker*innen zu kommunizieren“, sagt Sakdapolrak, Professor am Institut für Geographie und Regionalforschung der Universität Wien.

Die Forschungs-Community und das Forschungsfeld zur Umwelt- und Klimamigration habe sich in den letzten 20 Jahren stark erweitert, und auch methodisch gebe es eine große Vielfalt: „Das reicht von der quantitativen Modellierung, den Politikwissenschaften, den kritischen Sozialwissenschaften bis hin zur Entwicklungsforschung“, sagt Harald Sterly, Senior Scientist in der Forschungsgruppe von Sakdapolrak.